Wer von unserem B&B aus über den Alten Rhein blickt, sieht eine Landschaft, die die Niederlande jahrhundertelang verteidigte, ohne einen einzigen Schuss abzugeben. Die Holländische Wasserlinie ist weder Mauer noch Wall: sie ist eine Verteidigungslinie aus Wasser. Ein durchdachtes System aus Schleusen, Deichen, Inundationskanälen und Forts, das in Kriegszeiten ganze Polder unter eine dünne, undurchdringliche Wasserschicht setzen konnte — zu flach für Schiffe, zu tief für Pferde und Kanonen.
Die Idee entstand bereits im siebzehnten Jahrhundert, als die Republik im Katastrophenjahr 1672 plötzlich von Frankreich, England und zwei deutschen Fürstentümern angegriffen wurde. Unter Statthalter Wilhelm III. wurde eilig die Alte Holländische Wasserlinie in Stellung gebracht, mit Woerden, Bodegraven und Nieuwerbrug als verwundbaren Drehpunkten im nördlichen Teil. Hier, am Alten Rhein, trafen schmale Deiche und hochgelegene Straßen aufeinander — genau die Stellen, an denen der Feind trockenen Fußes passieren konnte, und genau hier musste die Linie am stärksten sein.
In napoleonischer Zeit erwies sich die alte Linie als veraltet, und im neunzehnten Jahrhundert wurde weiter östlich die Neue Holländische Wasserlinie angelegt, mit schwereren Forts und modernerem Geschütz. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870 wurde die Linie in Alarmbereitschaft versetzt; bei der Mobilmachung 1914 zogen niederländische Soldaten erneut in die Forts und Kasematten. Erst im Mai 1940 zeigte die Geschichte, wie schnell die Zeit die Wasserwaffe überholt hatte: die deutsche Luftwaffe flog einfach darüber hinweg, und die Linie fiel binnen weniger Tage.
Doch die Landschaft blieb. Die Forts, Schleusenwärterhäuser, Schussfelder und Inundationsbecken liegen noch immer da, eingebettet zwischen Kopfweiden und Wiesen. Rund um Nieuwerbrug, Woerden und den Alten Rhein bildete dieses Gebiet ein Schlüsselglied — die Nordflanke, an der die Wasserlinie am schmalsten und am verletzlichsten war, und wo die Wierickerschans noch immer wachsam in der Polderlandschaft liegt.
2021 erkannte die UNESCO die alte und die neue Linie gemeinsam als ein Welterbe an: die Holländischen Wasserlinien. Eine Hommage an eine Landschaft, die sanfter und stiller verteidigte als jede Festung.
Und genau dort, am Rand dieser stillen Linie, liegt unser B&B De Oude Waterlinie — benannt nach dem Wasser, das hier Geschichte schrieb.